Gestörte Gleichgewichte

zurück zu Schach, aber richtig


Die Stellung unten, aus dem 1. Beispiel, stammt aus der Partie
A45 Trompowsky Attack: Classical Defense, Big Center Variation

Beispielstellung für das erste Kapitelaus einer US-Meistersdchaftspartie (Dzindzichaschwili – Yermolinsky 1993) Weiß am Zug

Im ersten Kapitel wird zuerst einmal eine
Liste der Störungen des Gleichgewichtes
aufgestellt, anhand der man das Brett lesen lernen soll:

  • Leichtfiguren – Wechselspiel zwischen Läufer und Springer; Bestreben dem einen einen Vorteil über den anderen zu verschaffen
  • Bauernstruktur – Doppelbauern, Isolani, rückständige Bauern, Freibauern …
  • Raum – Raumgewinn am Brett
  • Linien und Felder – Linien, Reihen und diagonalen sind die Heeresstraßen, während die Felder Truppenstützpunkte oder Brückenköpfe bilden. Ganze Schlachtpläne können sich um Beherrschung einer einzigen Linie oder Schaffung eines schwachen Feldes drehen.
  • Entwicklung – Vorsprung in der Entwicklung gibt ein Kräfteübergewicht für bestimmte Dauer
  • Initiative – bedeutet das Tempo des Spiels zu bestimmen.

Es wird hervorgehoben, dass es nicht um Einzelzüge geht und die erste Liste zum obigen Beispiel sieht so aus:

  • Leichtfiguren Schwarz hat ein Läuferpaar; die Stellung ist ziemlich offen, daher werden sich die Läufer vermutlich als überlegen erweisen
  • Bauernstruktur – es gibt keine Schwächen; lediglich der Bauer auf e5 kann als potentiell schwach angesehen werden
  • Raum – Weiß hat durch den vorgerückten Bauern einen Raumvorteil im Zentrum
  • Material – ausgeglichenes Kräfteverhältnis
  • Linien und Felder – d-Linie ist offen, aber keiner konnte sie bis jetzt mit einem Turm besetzen; Feld f6 neigt zur Schwäche
  • Entwicklung – Weiß besitzt einen Entwicklungsvorsprung
  • Initiative – es ist unklar, wer – oder ob überhaupt jemand Initiative besitzt

Diese Störungen des Gleichgewichts sollte man bei jeder Stellung immer wieder üben, meint Jeremy Silman.
Jetzt geht es darum die Störungen miteinander zu verknüpfen und zu prüfen, ob sich ein Plan aufdrängt.
Leichtfiguren: Schwarz würde den Druck auf e5 gerne erhöhen und den Umstand ausnutzen, dass er über einen schwarzfeldrigen Läufer verfügt. Weiß bräuchte für seine Springer einen Außenposten (vorgeschobener Stützpunkt).
e4 und f6 wären für den Springer interessant, aber bei e4 würde die e-Linie blockiert, was die Verteidigung von e5 erschwert.
Der Raum, den der e5-Bauer für der Weiß bringt ist es eigentlich nicht wert, den Punkt e5 mühsam zu verteidigen. Den Entwicklungsvorsprung wird Weiß schwer nützen können, denn Schwarz wird schnell rochieren können. Das Fehlen von Schwächen wird Weiß den Zeitvorteil kaum nutzen können.
Die Ziele der beiden Seiten sollten klar sein: Weiß muss den e5-Bauer verteidigen und für die Springer einen Weg finden, um sie zu aktivieren.
Schwarz muss die weißen Springer in Schach halten. Dazu zitiert der Autor Steinitz der sagte „um Springer zu schlagen, müsse man ihnen alle ihre vorgeschobenen Stützpunkte nehmen“ und darauf, Weiß an die Verteidigung von e5 zu binden.
Wegen der Drohung von Schwarz mit Läufer auf c6 – nimmt das Pferd, also den Verteidiger von e5 auf’s Korn und ermöglicht dann mit Springer d7 e5 weiter anzugreifen, holt Weiß zum Erstschlag aus. Es ist der Versuch, Schwarz von dieser Idee abzuhalten mit dem Zug Nc3 -b5.
Das aktiviert den Springer und attackiert c7. Die Antwort Springer a6 von Schwarz würde bestätigen, dass Schwarz sein Ziel (Druck gegen e5 auszuüben) aus den Augen verloren hat.
Schwarz lässt sich aber nicht ablenken und schlägt den Springer Bd7xb5! (er verkauft sein Läuferpaar für einen Zeitgewinn) was die Bedrohung beendet. Es entsteht ein Loch auf d6, aber der weiße Springer wird es nicht nützen können, sondern wird mit der Verteidigung von e5 beschäftigt sein.
Weiß hat es nicht geschafft eine Bresche in die schwarze Stellung zu schlagen und Schwarz kann seinen ursprünglichen Plan (Belagerung e5) weiter verfolgen.
Schwarz erkennt, dass es nicht sein Ziel sein kann, den König anzugreifen, also verbannt er die Damen vom Brett, was seinem König mehr Sicherheit verschafft und sorgt dafür, dass eine Figur die e5 verteidigen könnte weniger da ist.
Durch Bxb5 kann Schwarz e5 mit seinem schwarzfeldrigen Läufer angreifen und Weiß kann seinen weißfeldrigen Läufer nicht zur Verteidigung einsetzten.
Weiß war vollständig an die Verteidigung seines e-Bauern gebunden. Schwarz setzte nach und erzielte schließlich nach langem, harten Kampf einen Sieg.
Das Kapitel endet mit einer kurzen, aber netten Geschichte, die aber nicht direkt zum Kapitel gehört.
Ja, Türme auf der 7. Reihe sind stark und der Turm gehört hinter den Freibauer, das ging aus der Geschichte hervor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.