Gleichstellung von Frauen im Schach

Vor ein paar Tagen spielte Judit Polgar gegen Magnus Carlsen im Parque del Retiro in Madrid eine Partie, welche mich auf die Frage brachte: „Wozu gibt es eigentlich Frauenschach“? Eine Geschlechtertrennung scheint mir bei Schach sinnlos und frauenfeindlich zu sein. Unterstellt man damit der Frau nicht, dass sie nicht an die Denk- und Konzentrationsleistung eines Mannes herankommen kann?
Wie dem auch sein man, zuerst zu der Partie Judit Polgar gegen Magnus Carlsen, dann zur Weltmeisterin, zu Kasparov’s Fauxpas und schließlich versuche ich mir meine Frage zu beantworten, also wieso es Frauenschach überhaupt gibt.

Judit Polgar gegen Magnus Carlsen
Ich bewundere ja beide und man sieht im Video deutlich, dass der Weltmeister noch immer Spaß am Schach haben kann, sogar wenn er gegen eine Frau verliert.
Judit Polgar Tricks Magnus Carlsen:

Die Partie analysiert: Magnus Carlsen is defeated in 19 moves by Judit Polgár!

Weltmeisterin
Ich denke, dass es ausschlaggebend ist, dass es eine Schachweltmeisterschaft der Frauen gibt, obwohl der Weg zur Schachweltmeisterschaft auch gleichberechtigt beiden Geschlechtern offen steht und da auch Frauen teilnehmen. Die Weltspitze im Schach wird jedoch klar von Männern dominiert. Am nächsten am Titel war Judit Polgár, die bei der Schachweltmeisterschaft 2007 unter die letzten sechzehn kam und bei den FIDE-Weltmeisterschaften 1999 und 2005 unter die letzten acht.

Um das „Frauenschach zu fördern“, wurde schon 1927 zusätzlich eine Weltmeisterschaft ausschließlich für Frauen eingeführt (Siegerin: Vera Menchik). Die langjährige Weltranglistenerste unter den Frauen, Judit Polgár, lehnte dies jedoch ab und nahm nur an den geschlechteroffenen Turnieren teil. Auch ihre ältere Schwester Zsuzsa Polgár, die in den späten 1980er-Jahren die Nr. 1 der Frauen war, lehnte vor 1993 eine Teilnahme an den Wettkämpfen zur Frauen-WM ab. „Frauenschach zu fördern“ habe ich unter Anführungszeichen gesetzt, da ich bezweifle, dass damit die Frauen im Schach gefördert werden.

Kasparov’s Fauxpas
In den 90er-Jahren behauptete Garri Kasparow „Eine Frau könne im Schach nie die Nummer 1 werden“.
Aber als Judit Polgár 26 Jahre alt war, schlug diese jüngste der drei Polgar-Schwestern den 15 Jahre älteren Kasparow erstmals in einer Turnierpartie 2002. Kasparow sah später seinen Irrtum ein und äußerte sich in einer weise dazu, die ich nicht mehr in Erinnerung habe, aber als Entschuldigung wertete.

Nach einer Babypause stieß sie im Juli 2005 bis auf Platz 8 der Weltrangliste vor, trat 2014 allerdings vom Spitzensport zurück. Ihre Karriere widerspiegelt exemplarisch die Geschlechterproblematik im Schachsport. Denn sie selbst war dezidiert gegen die im obigen Titel angesprochene Trennung zwischen Frauen- und Männerevents.

Meine Schlussfolgerung:
Es sind mehrere Faktoren und ich habe vielleicht einige nicht bedacht, aber ich meine, dass Frauen gleichgestellt werden sollten und es Frauenschach gibt, weil:
1) aus historischen, (gesellschafts)politischen, patriarchalischen Gründen
2) wegen der Förderungen
3) und wegen der Anzahl der Frauen im Schach.

ad 1) Um die Jahrhundertwende zum 20. Jhdt kam es zu den ersten Schritten der Emanzipation der Frau, aber ich glaube kaum, dass Steinitz oder Zukertort gegen Frauen spielte. Erst nach dem ersten Weltkrieg erhielten die Frauen das Recht zu wählen und waren ab diesem Zeitpunkt vollwertige Staatsbürgerinnen, was ja schon sehr viel aussagt, denke ich. Und das gilt auch für Aaron Nimzowitsch, Richard Réti, Siegbert Tarrasch, Savielly Tartakower und viele weitere.

ad 2) Zitat bazonline.ch:

In Wahrheit profitierten von dieser Geschlechtertrennung vor allem die Verbände selbst, weil sie so beispielsweise an die Töpfe für die «Frauenförderung» herankamen. Und dem Fide wiederum brachten separate Meisterschaften oder zusätzlich auszuwertende Turniere ebenfalls Mehreinnahmen.

ad 3) Es spielen viel zu wenige Frauen Schach, um vergleichen zu können. Wären es mehr, gäbe es natürlich auch mehr Spitzenspielerinnen. Mangelndes Interesse könnte wiederum auch daran liegen, dass es wenige weibliche Vorbilder gibt und die Frauen in vielen Vereinen nicht gerne alleine unter Männern sind. Eigentlich ist das ein schwaches Argument, denn ich bin zwar ein Mann, einer der nichts von Fan-Kult hält, aber die Polgar-Schwestern könnte man schon irgendwie als Vorbild für mich bezeichnen und die drei sind nicht die einzigen Frauen im Schach, die ich mir gerne als Vorbild nehme und von denen ich noch viel lernen kann. Aber in der Datenbank der Meisterpartien, die ich zum Lernen verwende, kommen leider schon recht selten Frauen vor.

Zum Abschluss noch ein kurzes Zitat aus der Wikipedia zu Judit Polgár:

Bereits 1993 schlug sie Exweltmeister Anatoli Karpow in einer Schnellpartie, 2002 gelang ihr dies erstmals auch gegen Garri Kasparow. Der Weltklassespieler Nigel Short, der mehrmals gegen sie verlor, sagte über Polgár: „Sie ist eine Killerin und riecht das Matt schon 20 Züge im Voraus“.

😉

Weblinks:

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